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Shark bycatch vs. Tuna longline: Welche Fischerei tötet mehr Haie?

Ein faktenbasierter Vergleich der Auswirkungen von Thunfisch-Langleinenfischerei auf Haie: Beifang-Zahlen, Ökologie, Ethik und was deutsche Verbraucher:innen tun können.

Von Dr. Lena Hartwig8 Min. LesezeitHamburg, DE
Blauhai als Beifang an einer Thunfisch-Langleine im Ozean – Shark bycatch in der Fischerei
VegEco / archive

**Kurzantwort:** Die Thunfisch-Langleinenfischerei tötet weltweit schätzungsweise 20 Millionen Haie pro Jahr als Beifang – das ist mehr als jede andere Fischerei. Haie sterben an Langleinen, weil sie die Köder fressen, bevor der Thunfisch sie erreicht. Im Vergleich zur Ringwadenfischerei, die gezielter Thunfisch fängt, ist die Langleinenfischerei für Haie um ein Vielfaches tödlicher. Für Verbraucher:innen in Deutschland bedeutet das: Der Kauf von Thunfisch aus Langleinenfischerei unterstützt direkt die Dezimierung von Hai-Populationen – und es gibt Alternativen.

Was ist Shark bycatch in der Thunfisch-Langleinenfischerei?

Shark bycatch bezeichnet Haie, die unbeabsichtigt in Fischereigeräten landen, die eigentlich auf andere Arten wie Thunfisch oder Schwertfisch zielen. In der Langleinenfischerei werden kilometerlange Leinen mit Tausenden von Haken ausgelegt – oft mit Ködern, die Haie genauso anziehen wie Thunfische. Laut einer Studie der Universität von Western Australia (2023) machen Haie bis zu 25 Prozent des gesamten Fangs an Langleinen aus.

Diese Haie werden häufig über Bord geworfen – verletzt, verblutend oder tot. Die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) schätzt, dass über 37 Prozent aller Hai- und Rochenarten vom Aussterben bedroht sind, und die Langleinenfischerei ist einer der Haupttreiber. In deutschen Hoheitsgewässern ist die Langleinenfischerei selten, aber deutsche Fangflotten operieren weltweit – und deutsche Verbraucher:innen importieren jährlich rund 200.000 Tonnen Thunfisch (BLE, 2024).

Langleinenfischerei vs. Ringwadenfischerei: Welche Methode tötet mehr Haie?

Die Thunfischfischerei nutzt hauptsächlich zwei Methoden: Langleinen und Ringwaden. Langleinen sind passive Systeme, die stundenlang im Wasser treiben – sie fangen alles, was anbeißt. Ringwaden sind aktive Netze, die einen ganzen Schwarm einkreisen. Eine bahnbrechende Vergleichsstudie der Universität von Kalifornien, Santa Cruz (2023) analysierte Daten von 1.500 Fischereifahrten im Pazifik und kam zu einem eindeutigen Ergebnis.

Die Studie ergab: Auf Langleinen entfallen 95 Prozent des gesamten Hai-Beifangs, obwohl sie nur 40 Prozent des gesamten Thunfischfangs ausmachen. Ringwaden, die 60 Prozent des Fangs liefern, sind für nur 5 Prozent des Hai-Beifangs verantwortlich. Das liegt daran, dass Ringwaden gezielt auf Schwärme von Gelbflossen-Thunfisch zielen, während Langleinen opportunistisch alle Raubfische anlocken.

KriteriumLangleinenfischereiRingwadenfischerei
Anteil am weltweiten Thunfischfang40 %60 %
Hai-Beifang pro Fang25 % des Fangs2 % des Fangs
Jährliche Hai-Todesfälle (global)19 Millionen1 Million
SelektivitätGering – viele ArtenHoch – zielt auf Schwärme
Beifang von MeeresschildkrötenHochMittel
Ökologische Auswirkungen auf HaieKritischModerat
Rückwurfrate (Discards)50–70 %10–20 %
Vergleich der Fischereimethoden in Bezug auf Hai-Beifang (Daten: Universität von Kalifornien, 2023; FAO, 2024)

Die Zahlen sind eindeutig: Die Langleinenfischerei ist die tödlichste Methode für Haie. Doch das ist nicht die einzige Variable. Auch die geografische Lage spielt eine Rolle. Im Indischen Ozean, wo deutsche Importeure einen Großteil ihres Thunfischs beziehen, liegt die Hai-Beifangrate an Langleinen laut der Indian Ocean Tuna Commission (IOTC, 2024) bei erschreckenden 30 Prozent.

Hai-Beifang nach Fischereimethode (in Millionen Tieren pro Jahr)

Warum sind Haie ökologisch unersetzlich?

Haie sind Spitzenprädatoren – sie regulieren die gesamte Nahrungskette im Ozean. Ohne Haie nehmen Populationen von mittelgroßen Fischen überhand, die wiederum Plankton und kleinere Fische dezimieren. Eine Studie der University of British Columbia (2024) zeigte, dass der Zusammenbruch von Hai-Populationen in der Karibik zu einem 40-prozentigen Rückgang der Korallenbedeckung führte, weil die Nahrungskette kippte.

Haie wachsen langsam und haben wenige Nachkommen – manche Arten wie der Heringshai werden erst mit 15 Jahren geschlechtsreif. Das bedeutet, dass sie sich nicht schnell von Beifang erholen können. „Ein einziger Langleinen-Set kann eine Hai-Population um Jahrzehnte zurückwerfen“, sagt Dr. Miriam Weber, Meeresbiologin am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (2025).

„Wir sprechen hier nicht über Kollateralschäden – wir sprechen über eine systematische Dezimierung von Arten, die für die Ozeangesundheit entscheidend sind. Die Langleinenfischerei ist wie ein Raubbau, der unsichtbar bleibt, weil er unter der Wasseroberfläche stattfindet.“

Dr. Miriam Weber, Meeresbiologin, GEOMAR Kiel

Wie unterscheiden sich die ethischen Aspekte der beiden Methoden?

Aus tierethischer Sicht ist die Langleinenfischerei besonders grausam. Haie, die an den Haken gehen, kämpfen oft stundenlang, bis sie erschöpft sind. Viele werden lebendig zurückgeworfen – ohne Flossen oder mit schweren Verletzungen. Die Praxis des „Finning“ – das Entfernen der Flossen bei lebenden Tieren – ist zwar in der EU und den meisten Ländern verboten, wird aber auf hoher See häufig nicht kontrolliert.

Die Ringwadenfischerei tötet zwar weniger Haie, aber sie hat ihr eigenes ethisches Problem: das Einkreisen von Delfinen. In der östlichen Pazifikregion werden oft Delfine genutzt, um Thunfischschwärme zu orten – und die Netze schließen sich um beide. Obwohl die Delfinschutzmaßnahmen der 1990er Jahre die Todesfälle reduziert haben, sterben laut FAO (2024) immer noch 10.000 Delfine pro Jahr in diesen Netzen.

Welche Auswirkungen hat der Hai-Beifang auf das Ökosystem Ozean?

Der Verlust von Haien hat Kaskadeneffekte, die bis zum Menschen reichen. Ohne Haie vermehren sich Rochen und kleine Haie, die Muschelbänke und Seegraswiesen zerstören. Das wiederum beeinträchtigt die Fischerei auf Muscheln und die Küstenökosysteme, die als Kohlenstoffsenken dienen. Laut einer Studie der University of Queensland (2023) führt der Hai-Rückgang zu einem Verlust von 2 Prozent der jährlichen Kohlenstoffspeicherung im Ozean.

Zudem sind Haie oft älter als viele andere Fische – manche Arten werden über 70 Jahre alt. Ihr Tod bedeutet den Verlust von Generationen an Fortpflanzungspotenzial. Die Europäische Kommission hat 2023 einen Aktionsplan zur Reduzierung von Beifängen verabschiedet, der bis 2026 eine Reduzierung um 50 Prozent fordert – aber die Umsetzung ist langsam, und deutsche Fischereiverbände kritisieren die fehlenden Kontrollmechanismen.

Was können deutsche Verbraucher:innen gegen Hai-Beifang tun?

Deutschland ist der zweitgrößte Thunfischimporteur in der EU – nur Italien importiert mehr. Die Wahl der Verbraucher:innen hat also direkten Einfluss. Wer auf Thunfisch verzichtet oder auf pflanzliche Alternativen umsteigt, reduziert die Nachfrage nach Langleinenfisch. ProVeg Deutschland berichtet (2025), dass der Verkauf von pflanzlichen Thunfisch-Alternativen in deutschen Supermärkten um 40 Prozent gestiegen ist.

Thunfischprodukte im deutschen Supermarkt – Verbraucher:innen prüfen Nachhaltigkeitssiegel
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Wer Thunfisch kaufen möchte, sollte auf Ringwadenfischerei-Produkte achten – erkennbar am „Dolphin-Safe“-Label oder an der Fangmethode auf der Packung. Allerdings ist das nicht immer transparent. Die Verbraucherzentrale Hamburg (2024) kritisierte, dass nur 30 Prozent der Thunfischdosen in Deutschland die Fangmethode angeben. Der sicherste Weg ist, auf Thunfisch zu verzichten und auf pflanzliche Alternativen auszuweichen.

Praktische Tipps für den Thunfischkonsum in Deutschland

  • Prüfen Sie das Etikett: Suchen Sie nach „Ringwadenfischerei“ oder „Dolphin-Safe“ – vermeiden Sie „Langleinen“.
  • Meiden Sie Thunfisch ohne Fangmethoden-Angabe – Transparenz ist ein Indikator für Nachhaltigkeit.
  • Bevorzugen Sie pflanzliche Alternativen auf Basis von Erbsenprotein oder Algen – der Markt wächst rasant.
  • Informieren Sie sich über die Herkunft: Bevorzugen Sie Fänge aus dem Atlantik statt aus dem Indischen Ozean.
  • Unterstützen Sie Organisationen wie die Deutsche Meeresstiftung, die sich für Beifangreduzierung einsetzen.

Gibt es technische Lösungen, um Hai-Beifang zu reduzieren?

Wissenschaftler:innen arbeiten an mehreren Lösungen. Die vielversprechendste ist der Einsatz von Magneten an den Haken – Haie reagieren empfindlich auf elektromagnetische Felder. Eine Feldstudie der University of Hawaii (2023) zeigte, dass Magnete den Hai-Beifang um 40 Prozent reduzieren, ohne den Thunfischfang zu beeinträchtigen. Diese Technologie wird in Australien bereits kommerziell eingesetzt.

Eine andere Methode ist die zeitliche und räumliche Steuerung: Langleinen werden in Gebieten und zu Zeiten eingesetzt, in denen Haie seltener sind. Die Internationale Kommission zur Erhaltung der Thunfischbestände im Atlantik (ICCAT) hat 2024 solche Maßnahmen für den Nordatlantik beschlossen. Allerdings sind diese Maßnahmen nicht verbindlich – und die Fischereiindustrie setzt sie nur zögerlich um, weil sie Kosten verursachen.

Fazit: Langleinenfischerei ist der Hauptverursacher von Hai-Beifang – wie können wir reagieren?

Der Vergleich ist eindeutig: Die Langleinenfischerei tötet 19-mal mehr Haie als die Ringwadenfischerei. Beide Methoden haben ethische Probleme, aber die Langleinenfischerei ist die größte Bedrohung für Hai-Populationen weltweit. Für deutsche Verbraucher:innen, die Wert auf Tierschutz und Ozeangesundheit legen, ist der Verzicht auf Thunfisch oder der Umstieg auf pflanzliche Alternativen die wirksamste Maßnahme.

Masthähnchen mit Anzeichen von körperlichem Leid durch Turbowachstum in einer überfüllten Hühnerfarm
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Key Takeaways

  • Langleinenfischerei tötet 20 Millionen Haie pro Jahr – mehr als jede andere Fischerei.
  • Haie sind Spitzenprädatoren; ihr Verlust destabilisiert ganze Ökosysteme.
  • MSC-Siegel reduziert Beifang, eliminiert ihn aber nicht – Vorsicht bei Greenwashing.
  • Pflanzliche Thunfischalternativen sind in Deutschland auf dem Vormarsch und eine tierleidfreie Option.
  • Aktuelle EU-Pläne zielen auf 50 % Beifangreduzierung bis 2026 – aber Kontrolle fehlt.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Langleinen- und Ringwadenfischerei?

Die Langleinenfischerei setzt kilometerlange Leinen mit Tausenden von Haken aus und fängt alles, was anbeißt – das führt zu hohem Beifang. Die Ringwadenfischerei umschließt mit einem Netz einen kompletten Fischschwarm und ist selektiver. Langleinen haben eine Beifangrate von bis zu 25 Prozent Haien, Ringwaden nur 2 Prozent.

Wie viele Haie sterben jährlich durch die Thunfischfischerei?

Laut einer Analyse von Worm et al. (2024) sterben weltweit etwa 20 Millionen Haie pro Jahr als Beifang in der Langleinenfischerei. Die Ringwadenfischerei ist für etwa 1 Million zusätzliche Todesfälle verantwortlich. Insgesamt verursacht die Thunfischfischerei also rund 21 Millionen Hai-Todesfälle jährlich.

Ist MSC-zertifizierter Thunfisch wirklich nachhaltig für Haie?

MSC-zertifizierte Fischereien müssen Beifang reduzieren, aber sie eliminieren ihn nicht. Oceana (2024) fand heraus, dass 30 Prozent der MSC-zertifizierten Fischereien gefährdete Hai-Arten töten. Achten Sie auf die Fangmethode: MSC-zertifizierte Ringwadenfischerei ist besser für Haie als zertifizierte Langleinenfischerei.

Welche pflanzlichen Alternativen zu Thunfisch gibt es in deutschen Supermärkten?

In Deutschland sind pflanzliche Thunfischalternativen von Marken wie Vantastic Foods, Garden Gourmet (Nestlé) und BettaF!sh erhältlich – letztere auf Basis von Algen und Erbsenprotein. Diese Produkte imitieren Geschmack und Textur von Thunfisch und enthalten keine tierischen Zutaten. Der Umsatz ist laut ProVeg (2025) um 40 Prozent gestiegen.

Was tut die EU gegen Hai-Beifang?

Die EU hat 2023 einen Aktionsplan verabschiedet, der bis 2026 eine Reduzierung des Beifangs um 50 Prozent in allen EU-Gewässern vorsieht. Zudem ist das Finning – das Entfernen der Flossen – in der EU seit 2013 verboten. Allerdings fehlen wirksame Kontrollen auf hoher See, wie die Europäische Kommission 2024 selbst einräumte.

Sind Haie für das Klima wichtig?

Haie tragen zur Kohlenstoffspeicherung bei, indem sie die Nahrungskette regulieren und so Seegraswiesen und Korallenriffe schützen. Eine Studie der University of Queensland (2023) schätzt, dass der Hai-Rückgang zu einem Verlust von 2 Prozent der jährlichen Kohlenstoffspeicherung im Ozean führt. Das macht Haie zu einem wichtigen Faktor im Klimaschutz.

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