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EU-Verordnung entwaldungsfreie Produkte: Was die neue Lieferketten-Regulierung wirklich bedeutet

Die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR) ist ein entscheidender Schritt zur Bekämpfung der globalen Entwaldung und erfordert von Unternehmen, ihre Lieferketten zu überprüfen.

Von Dr. Lena Hartmann7 Min. LesezeitBerlin, DE
Entwaldung für Sojaanbau und Rinderzucht in Südamerika, beeinflusst durch EU-Verordnung entwaldungsfreie Produkte
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<b>Kurze Antwort:</b> Die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR) verpflichtet Unternehmen ab Ende 2024, nachzuweisen, dass ihre Produkte, die Kakao, Kaffee, Palmöl, Rindfleisch, Soja, Holz, Kautschuk, Holzkohle und einige Derivate enthalten oder daraus hergestellt werden, nicht auf Flächen angebaut oder erzeugt wurden, die nach dem 31. Dezember 2020 entwaldet wurden. Ziel ist es, die Rolle der EU beim globalen Waldverlust zu minimieren und nachhaltigere Lieferketten zu fördern.

Die globale Entwaldung ist eine der größten ökologischen Krisen unserer Zeit. Sie zerstört nicht nur unschätzbare Ökosysteme und die Lebensräume unzähliger Arten, sondern beschleunigt auch den Klimawandel dramatisch. Ein erheblicher Teil dieser Zerstörung ist direkt oder indirekt mit der Produktion und dem Konsum in Europa verbunden. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, hat die Europäische Union einen wegweisenden Schritt unternommen: die Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR). Diese neue Gesetzgebung soll sicherstellen, dass die Produkte, die auf den EU-Markt gelangen, nicht zur Zerstörung von Wäldern beitragen.

Was die EU-Verordnung über entwaldungsfreie Produkte (EUDR) wirklich bedeutet

Die EUDR, die im Juni 2023 in Kraft getreten ist und Ende 2024 für die meisten Unternehmen verbindlich wird, ist mehr als nur ein weiteres Umweltgesetz. Sie markiert einen Paradigmenwechsel in der globalen Handels- und Umweltpolitik. Kern der Verordnung ist die Pflicht zur Sorgfaltspflicht für Unternehmen, die bestimmte Produkte auf den EU-Markt bringen oder aus der EU exportieren. Das bedeutet, dass sie detaillierte Informationen über die Herkunft ihrer Waren sammeln und Risikobewertungen durchführen müssen, um sicherzustellen, dass keine Entwaldung oder Waldschädigung seit dem Stichtag 31. Dezember 2020 stattgefunden hat. Die Verordnung umfasst eine Reihe von Rohstoffen und daraus hergestellten Produkten, die als Haupttreiber der Entwaldung identifiziert wurden.

Betroffene Produkte und Derivate

Die EUDR zielt auf sieben Schlüsselrohstoffe ab, die nachweislich die größte Entwaldung verursachen: Palmöl, Rindfleisch, Holz, Kaffee, Kakao, Kautschuk und Soja. Darüber hinaus erstreckt sich die Verordnung auf eine Vielzahl von Derivaten, die aus diesen Rohstoffen hergestellt werden. Für Rindfleisch betrifft dies beispielsweise auch Leder und Gelatine. Bei Palmöl sind es Produkte wie Glycerin und bestimmte Chemikalien. Für Holz sind Möbel, Zellstoff und Papier relevant. Diese umfassende Liste stellt sicher, dass Unternehmen in allen relevanten Sektoren zur Rechenschaft gezogen werden können (Europäische Kommission, 2023).

RohstoffWichtigste Importeure / Verwendung in DEEntwaldungsrisikoAuswirkungen auf deutsche Lieferketten
PalmölLebensmittel, Kosmetik, BiodieselHoch (Südostasien)Hoher Anpassungsbedarf in vielen Sektoren
SojaTierfutter (vor allem Brasilien, Argentinien), PflanzenölHoch (Südamerika)Umfassende Rückverfolgbarkeit bei Futtermitteln notwendig
RindfleischLebensmittel, LederHoch (Südamerika)Anpassung bei Importen, Fokus auf Weidelandnutzung
KaffeeLebensmittelMittel (Lateinamerika, Afrika)Anpassung bei größeren Importeuren, Kleinbauernunterstützung
KakaoSchokolade, SüßwarenMittel (Westafrika)Stärkere Kontrolle der Beschaffungsgebiete nötig
EUDR: Schlüsselrohstoffe und deren Relevanz für Deutschland

Das Problem: Globale Entwaldung und die Rolle Europas

Wälder sind die Lungen unseres Planeten. Sie absorbieren Kohlendioxid, regulieren das Klima, stabilisieren den Boden und beherbergen einen Großteil der terrestrischen Biodiversität. Doch jedes Jahr gehen weltweit riesige Waldflächen verloren. Zwischen 1990 und 2020 wurden schätzungsweise 420 Millionen Hektar Wald vernichtet – eine Fläche größer als die gesamte Europäische Union. Die Hauptursache ist die Ausweitung der Landwirtschaft, insbesondere für die Produktion von Rindfleisch, Soja (primär für Tierfutter), Palmöl und Holz (WWF, 2021).

„Die EUDR ist ein notwendiger Schritt, um die europäische Mitschuld an der Zerstörung von Ökosystemen in anderen Teilen der Welt zu beenden. Sie zwingt Unternehmen endlich, Verantwortung für ihre gesamte Lieferkette zu übernehmen, von der Gabel bis zum Ursprung des Rohstoffs.“

Dr. Miriam Schneider, Leiterin Nachhaltigkeitsforschung, Öko-Institut e.V.

Anteil der EU an der globalen Entwaldung durch Agrarimporte (2017-2021)

Die Verordnung adressiert direkt das Problem, dass Konsumenten in Europa oft unwissentlich zu diesem Waldverlust beitragen. Produkte, die auf gerodeten Flächen angebaut werden, finden ihren Weg in Supermärkte und Haushalte, ohne dass ihre Herkunft transparent ist. Die EUDR soll diese Transparenzlücke schließen und den europäischen Markt zu einem Vorreiter für umweltfreundliche und ethische Beschaffung machen. Dies betrifft nicht nur den Schutz von Wäldern, sondern auch die Artenvielfalt und die Rechte indigener Gemeinschaften, die oft die ersten Opfer der Entwaldung sind.

Lösungsansätze: Von Satellitenbildern bis zur digitalen Rückverfolgbarkeit

Um die Anforderungen der EUDR zu erfüllen, müssen Unternehmen umfassende Sorgfaltspflichtsysteme implementieren. Dies beinhaltet die genaue Geolokalisierung der Anbauflächen der Rohstoffe. Moderne Technologien wie Satellitenbilder und Geodaten spielen hier eine zentrale Rolle, um zu überprüfen, ob auf diesen Flächen seit dem Stichtag Entwaldung stattgefunden hat. Die Daten müssen öffentlich zugänglich sein, oder zumindest in einem System, das eine Überprüfung durch die Behörden ermöglicht (BMEL, 2024).

Transparenz und Überprüfung der Lieferkette

Die EUDR verlangt nicht nur eine einmalige Überprüfung, sondern ein fortlaufendes Risikomanagement. Unternehmen müssen belegen, dass ihre Lieferketten zu 100 % entwaldungsfrei sind und alle relevanten lokalen Gesetze eingehalten werden. Dies erfordert oft eine Umstrukturierung traditioneller Lieferketten, die bisher selten so detaillierte Informationen erfasst haben. Kleinere Unternehmen und Erzeuger in Drittländern benötigen hierbei oft Unterstützung, um die notwendigen Daten bereitzustellen und sich an die neuen Standards anzupassen.

Was Individuen tun können

Auch wenn die Hauptverantwortung bei den Unternehmen und der Politik liegt, können Konsumenten einen wichtigen Beitrag leisten. Eine bewusste Kaufentscheidung ist der erste Schritt. Die Nachfrage nach nachhaltigen und entwaldungsfreien Produkten sendet ein klares Signal an den Markt. Hier sind einige praktische Schritte:

Konsument prüft Produkt nach EUDR-Standards im deutschen Supermarkt mittels QR-Code
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Checkliste für den entwaldungsfreien Einkauf

  • Achten Sie auf Zertifizierungen wie Rainforest Alliance, Bio-Siegel oder das RSPO-Siegel für nachhaltiges Palmöl.
  • Reduzieren Sie Ihren Konsum von Fleisch- und Milchprodukten, da die Futtermittelproduktion oft eng mit Entwaldung verbunden ist.
  • Bevorzugen Sie Produkte aus regionaler und saisonaler Landwirtschaft.
  • Informieren Sie sich über die Herkunft Ihrer Produkte und fragen Sie im Handel nach der Transparenz der Lieferketten.
  • Unterstützen Sie Unternehmen, die sich transparent zu entwaldungsfreien Lieferketten bekennen.
  • Engagieren Sie sich in Umweltorganisationen, die sich für den Waldschutz einsetzen.

Die Reduzierung des Konsums von tierischen Produkten spielt eine besonders wichtige Rolle. Die Rindfleischproduktion und der Sojaanbau für Tierfutter sind weltweit die größten Treiber der Entwaldung, insbesondere in Südamerika. Eine pflanzliche Ernährung kann somit den größten individuellen Beitrag zur Reduzierung der Entwaldung leisten (EAT-Lancet Kommission, 2019).

Was die Politik tun muss: Stärkung und Durchsetzung der EUDR

Die Einführung der EUDR ist ein Meilenstein, doch ihre Wirksamkeit hängt maßgeblich von einer konsequenten Durchsetzung und weiteren politischen Maßnahmen ab. Nationale Behörden, wie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in Deutschland, sind für die Überwachung und Sanktionierung zuständig. Sie müssen ausreichend Ressourcen erhalten, um Kontrollen durchzuführen und Verstöße effektiv zu ahnden.

Internationale Zusammenarbeit und Unterstützung für Produzenten

Die EUDR muss durch internationale Zusammenarbeit ergänzt werden. Die EU sollte mit den Produzentenländern zusammenarbeiten, um sie bei der Umstellung auf nachhaltige Anbaumethoden zu unterstützen und Anreize für entwaldungsfreie Produktion zu schaffen. Dies beinhaltet technische Unterstützung, Finanzhilfen und den Aufbau lokaler Kapazitäten für die Überwachung und Zertifizierung. Nur so kann ein „Leakage-Effekt“ verhindert werden, bei dem entwaldungsintensive Produkte einfach in andere Märkte umgeleitet werden.

Häufig gestellte Fragen zur EUDR

Welche Konsequenzen drohen Unternehmen bei Nichteinhaltung der EUDR?

Unternehmen, die gegen die EUDR verstoßen, müssen mit empfindlichen Strafen rechnen. Diese können Geldbußen von bis zu 4 % ihres Jahresumsatzes in der EU, die Beschlagnahmung der Waren sowie der Erlöse daraus und sogar der Ausschluss von öffentlichen Vergabeverfahren umfassen. Ziel ist es, einen starken Anreiz zur Einhaltung der Vorschriften zu schaffen und unlautere Wettbewerbsvorteile durch Entwaldung zu unterbinden (Europäische Kommission, 2023).

Wie können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die EUDR-Anforderungen erfüllen?

Für KMU gibt es eine längere Übergangsfrist bis Mitte 2025. Sie können zudem von vereinfachten Sorgfaltspflichten profitieren, wenn sie Produkte aus Ländern oder Regionen beziehen, die von der EU als „geringes Risiko“ eingestuft werden. Dennoch ist eine proaktive Zusammenarbeit mit Zulieferern und die Nutzung von Branchenlösungen und digitalen Plattformen für die Rückverfolgbarkeit entscheidend, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Wird die EUDR die Preise für Produkte erhöhen?

Initial könnten Anpassungskosten für Unternehmen und damit potenziell geringfügig höhere Endverbraucherpreise entstehen. Langfristig fördert die EUDR jedoch nachhaltige und effizientere Lieferketten, die zu stabileren Preisen beitragen können. Zudem spiegelt ein höherer Preis oft die wahren ökologischen Kosten wider, die bisher externalisiert wurden und damit auf Kosten von Umwelt und Gesellschaft gingen (ProVeg, 2024).

Was bedeutet „entwaldungsfrei“ genau im Kontext der EUDR?

Im Rahmen der EUDR bedeutet „entwaldungsfrei“, dass die betreffenden Produkte auf Flächen erzeugt wurden, die seit dem 31. Dezember 2020 nicht entwaldet oder als Wald geschädigt wurden. Dies bezieht sich sowohl auf natürliche Wälder als auch auf Plantagen. Die Definition ist strikt und soll jegliche Umwandlung von Waldflächen für die landwirtschaftliche Nutzung verhindern.

Wichtige Erkenntnisse zur EUDR

  • Die EUDR verlangt Nachweise für entwaldungsfreie Lieferketten von sieben Hauptrohstoffen.
  • Der Stichtag für entwaldungsfreie Flächen ist der 31. Dezember 2020.
  • Unternehmen sind zur Sorgfaltspflicht und Geolokalisierung der Anbauflächen verpflichtet.
  • Konsumenten können durch bewusste Kaufentscheidungen und Reduzierung tierischer Produkte aktiv beitragen.
  • Die konsequente Durchsetzung und internationale Zusammenarbeit sind entscheidend für den Erfolg der Verordnung.